Bilderausstellung: "Blutende zerstörte Seele"

Ein Anziehungspunkt im Stadtteiltreff Gonsenheim ist zur Zeit eine Ausstellung von Harry Reichert. Zum ersten Mal hat der 41-jährige Künstler gewagt seine in vielen Jahren entstandenen Bilder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Von „Kultur im Viertel“ sprach Stephan Hesping der am 8. Mai die Ausstellung nach dem Musikstück „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“, gespielt von „schall&rauch“, eröffnete. Ebenso verschieden wie die zahlreich erschienen Gäste sind auch die Stilrichtungen, mit denen Harry Reichert sein Inneres nach Außen kehrt. Acryl, Aquarell, Kreide, Bleistift und Gips sind seine Werkzeuge. „Mein erstes Bild habe ich im Jahr 2000 gemalt. Ich habe mich durch die Natur inspirieren lassen. Das Malen hat mir geholfen meine Depression zu überwinden. Ich möchte durch meine Bilder anderen Menschen zeigen, dass es eine Möglichkeit gibt, eine Krankheit durch künstlerische Tätigkeit zu heilen“. Eigentlich wollte Harry, der seit 1980 in Gonsenheim lebt, Schreiner werden oder Garten- und Landschaftsbau erlernen. Doch dann kam die Krankheit und zerstörte alle seine Träume. „Blutende und zerstörte Seele“, „Das Spiel mit den Gedanken eines depressiven Menschen“, „Kopfloser Akt“ und „Das Wunder“ nennt er seine in Acryltechnik gemalten, sehr beeindruckenden Bilder. 26 Objekte stellte er aus, darunter eine Collage und ein Werk in DIN A1 Format mit 108 Herzen.

Ich habe Harry bei der Aktion „Gonsenheimer Adventkalender“ kennengelernt, wo er mit einem beeindruckenden Gemälde das 16. Kästchen füllte. Auch dieses Bild befand sich nun unter den zu bestaunenden Werken. Es zeigt die Hochhäuser der Gonsenheimer Elsa-Brändström-Straße aufeinander zugehend, sich umarmen wollend. An jenem 16. Dezember hat mich nicht nur dieses Bild sehr berührt. Harry wollte bei der Öffnungszeremonie nicht selbst einen Kommentar abgeben, sondern bat mich seinen Text, den er handschriftlich verfasst hatte, vorzulesen. Ich hatte Gänsehaut und wenn ich manchmal holprig vorlas, dann lag das daran, dass eine Träne mir die Sicht nahm.

Während des Rundgangs durch die Ausstellung konnten die Gäste sich mit von Harry selbst und der Praktikantin Havva Acikgöz zubereiteten leckeren Häppchen stärken und ein Glas alkoholfreien Sekt genießen. Dazu spielte „schall&rauch“ beschwingte Musik.

(Hiltrud Almeroth Rausch )