Kultursommer 2013 - "Alter ist heilig"

Monatelang wurden mit großem Spaß Erinnerungen und Geschichten ausgetauscht und gesammelt. Am Ende ließen einige Teilnehmer den Fotografen in ihr Heim und Thomas Bartsch brachte sie auf den Bildern eindrucksvoll zur Geltung.

Alt werden, ganz ehrlich, das wollen wir doch alle ganz gerne. Aber bitte ohne zu altern. Denn die Zeiten sind vorbei, in denen das Alter geschätzt und geachtet wurde. Vorbei die Zeiten, in denen der Rat und die Erfahrung der Alten gesucht wurden. Alte Menschen werden als Last empfunden, von Überalterung der Gesellschaft ist die Rede. Dabei haben diese Menschen so viel geleistet und noch so viel zu geben. Und diese Menschen stellt das Fotoprojekt „Alter ist heilig“ im Stadtteiltreff Gonsenheim, mit Fotografien von Thomas Bartsch, im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz in den Mittelpunkt.

Da sieht man Hände auf den Bildern, Hände die Geschichten erzählen. Wie Manfred Hartkopf, einer der Teilnehmer vortrug, „wir waren schon auf Erden, bevor es Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühlschränke, Tiefkühlkost und Ähnliches gab. Wäsche wurde von Hand oder im Holzbottich gewaschen, haltbar wurden Lebensmittel durch Einmachen". Davon sprechen diese Hände und von mehr. Sie haben Gemüse gepflanzt und geerntet, Unkraut gejätet, Kartoffelkäfer gesammelt, Holz gehackt, aus Trümmerhaufen Städte aufgebaut – und Zärtlichkeit gegeben.

Da sieht man Porträts von Menschen, denen das Leben tiefe Furchen ins Gesicht gegraben hat, Furchen die von Entbehrung, Leid und Hunger zeugen, aber auch von Freude, Liebe und Gelassenheit.

Da sieht man Bilder von alten Menschen, die ein Bild aus ihrer Vergangenheit in den Händen halten. Auf der einen Seite strahlende Jugend voller Zuversicht, auf der Anderen gereift und vom Leben geformt. So wird eine Zeitspanne von fünfzig Jahren sichtbar gemacht. Was alles hat sich in dieser langen Zeit ereignet, wie viel gab und gibt es da zu erzählen. Tage kann man damit füllen, diesen Geschichten zu lauschen. Manches wurde schon erzählt, und es wurde nie langweilig. Aufschreiben möchte man es, oder besser noch, als Film erleben.

Leider ist die Ausstellung im Stadtteiltreff am 14. November beendet. Aber natürlich kann man im dortigen „Treff 50-99" bei gutem Kaffee den Geschichten zuhören oder eigene vorbringen. Da ist jeder willkommen. Über den Ort, an dem die Ausstellung erneut stattfindet, wird rechtzeitig informiert.

(†im Gedenken an Karin und Reinhold)

(Rüdiger Wrobbel)

 

 

Thomas Bartsch und Colette Smeraldy bei der Eröffnung der Ausstellung