Breite Front gegen das Zockerzentrum

Kein Wettbüro in der Elsa - Ausführlicher Bericht unseres Elsa-Redakteurs RW

Vermutlich sind es nur wenige Dutzend asozial denkender Menschen, die durch Hochfrequenzspekulationen mit Lebensmitteln und Ressourcen, durch Wetten auf Preis- oder Kursschwankungen und Pleiten die Börse zum Spielcasino und Wettbüro machen und damit Millionen Menschen in den Hungertod treiben, zur Flucht zwingen oder Staaten in den Bankrott zwingen. Das ganze Spiel global durch Steuerbefreiung subventioniert. Der Blick auf diese zerstörerische Kraft von Wettgeschäften erzeugt in jedem vernünftigen Menschen den Wunsch, die Kinder nicht in diese Richtung konditionieren zu lassen, indem sie ein Wettbüro direkt vor die eigene Haustüre gesetzt bekommen, gerade dorthin, wo sie ihre Freizeit verbringen. Nicht nur die Jugendlichen, auch die Kinder haben gezeigt, dass sie sich der Möglichkeiten der Wettspiele bewusst sind. Aber noch zeigen sie soziales Verhalten. Die Gesetze und die Steuerpolitik zeigen, dass der Gesetzgeber seine Aufgaben nicht ernst nimmt, ebenso wenig wie den verantwortungsbewussten Bürgern.

Wenn der Gesetzgeber schon den erwachsenen Bürger nicht ernst nimmt, verwundert es nicht, dass er das Denkvermögen eines Kindes auf das Niveau einer Topfpflanze reduziert. Erst Jugendlichen ab 10 Jahren traut er zu, den Charakter und die Gefahren eines Wettbüros zu erkennen. Ein solches möchte sich im ehemaligen Schlecker-Laden im Einkaufszentrum Am Sportfeld / Elsa-Brändström-Straße ansiedeln. Die Stadt und die ADD in Trier (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz) hat dies bereits genehmigt. Dass sich mehrere Kindertagesstätten in unmittelbarer Nähe der geplanten Zockerstelle befinden, ist für ihn daher bedeutungslos. Da hätten die gesetzgebenden Politiker und die Entscheiderin, ADD-Referentin Nadja Wierzejewski, mal die Ausstellung „Glück" im Stadtteiltreff Gonsenheim besuchen sollen. Da hatten Kinder viefältig zum Ausdruck gebracht, was für sie Glück bedeutet. Und das schnelle Geld durch Zocken war auch bei den lieben Kleinen durchaus ein Thema. Wenngleich man den Kindern zugutehalten muss, dass sie die Zockerei um die soziale Komponente erweiterten. Auf die Frage, „Was bedeutet für dich Glück?" stand mehrmals die Antwort: „Wenn Du im Lotto gewinnst!"   Überhaupt, der Stadtteilftreff. Mit einer Angebotspalette für’s Krabbelkind bis zum Senior. Da trifft sich auch die Jugend. Die Schülerhilfe beispielsweise begleitet Jugendliche auch bis zum Abitur, der Musikunterricht spricht etliche Jugendliche an, viele Jugendliche nutzen dort das Internet für Bewerbungen und Recherche für Schule, Ausbildung und Freizeitaktivität. Genau für diese Jugendlichen ist auch vor dem Gesetz dieses Wettbüro eine Gefährdung, ebenso wie für hunderte Jugendliche dieses großen Wohngebietes, die in diesem Umfeld ihre Freizeit gestalten. Darüber hinaus würde ein weiterer Teil der Arbeit des Stadtteiltreffs in Frage gestellt. Das Wohngebiet um die „Elsa“ wurde einst, nicht ganz zu Unrecht, gemieden, der Ruf war ruiniert. Der Stadtteiltreff hat einen wichtigen Beitrag geleistet, dass sich Wohnverhältnisse und soziales Umfeld verbessert haben. Viele sind hierher zurückgezogen, ein beträchtlicher Teil, wenn nicht gar der größte Teil der Wohnungen wird von den Eigentümern selbst bewohnt, die Kriminalitätsrate liegt nach Polizeiangaben nahe der Null, kurz gesagt: Man wohnt gerne an diesem Ort. Niemand will diese Entwicklung jetzt wieder zurückdrehen. Die Initiative der ansässigen Geschäftsleute und die gefüllten Unterschriftslisten sprechen für sich. Da ist es gut zu wissen, dass man Ortsvorsteherin Sabine Flegel auf seiner Seite hat (siehe auch den Beitrag der SWR-Landesschau vom 21.01.16) und mit ihr parteiübergreifend die Gonsenheimer Stadträte bei dem Versuch, die Ansiedlung des Wettbüros doch noch zu verhindern. (RW)