Learning bei Doing - Ein besonderer Sprachunterricht

Ab und zu ermuntere ich die Teilnehmer unserer Sprachgruppe (wir - Robert Ohler und ich - erteilen der Gruppe 10 mittwochnachmittags 1 1/2 Stunden Unterricht), mich und einen Freund beim Walken im Gonsenheimer Wald zwecks Unterricht im Freien zu begleiten. Zweimal fand dies nun schon statt, und es kamen etwa die Hälfte der Gruppenmitglieder dazu. Im Juni folgt die dritte entsprechende Unterrichtseinheit, vielleicht im Supermarkt oder in der Straßenbahn. Hier auf dem Foto sehen oder erahnen Sie, wie wir miteinander im Lenneberg Wald die Bewegungsarten - sitzen, stehen, aufstehen, sich setzen - lernen, und gleich auch noch die Konjugation, die Personalpronomen und Zahlen wie: "wir 3 sitzen, ihr 2 steht".

Wir gehen/laufen links und rechts rum oder gerade aus, springen und hüpfen, lernen Begriffe wie Weg, Straße, Schild, und das alles wie es so schön neudeutsch heißt, by doing. Anhand der Pflanzen und Blumen und Wegekennzeichnungen lernen wir auch die Farben. Es gibt so viele wichtige alltägliche Begriffe auf diese Weise zu erlernen, dass ich es hier nicht weiter ausführen kann.

Der Weg ist zugleich unsere Tafel zum Schreiben und Erlernen der großen Buchstaben. Und wir alle haben unseren Spaß dabei. Wenn Jogger uns überholen, zählen wir sie laut mit, und sie beteiligen sich im Vorbeilaufen am Lernprogramm...

Einige der Gruppenmitglieder sind Analphabeten und können nur ihre Muttersprache sprechen und verstehen, sie konnten ihr Leben lang in Afghanistan keine Schulen besuchen. Für sie ist diese Art praktischer Unterricht - in ganz kleinen Schritten - optimal. Natürlich ist das alles mühsam, aber es ist eine von diversen alltäglichen Methoden, ihnen die Sprache zu vermitteln und zugleich einfach nur für ein paar Stunden für sie da zu sein, damit sie sich bei und mit uns so wohl wie möglich fühlen können.

(Eckehard Cartheuser)

 

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