Gonsenheimer Erinnerungen

Wanderausstellung im Stadtteiltreff-Gonsenheim

Da sprach der Herr zu Kain: „Wo ist dein Bruder Abel?“ In dieser biblischen Geschichte erwies sich die Suche als einfach. Ungleich schwieriger gestaltete es sich für Dr. Helmut Hochgesand, als er sich auf die Suche nach den früheren jüdischen Gonsenheimer Nachbarn begab. Was ist aus ihnen geworden, aus Alfred und Sophie May, Albert Straß, Henriette Sichel, Sofie Weiler und den Anderen? Wo waren die sogenannten Judenhäuser? Gibt es noch Zeitzeugen? Zum Glück lief Helmut Hochgesand mit seinem Anliegen offene Türen ein und er bekam vielerorts Unterstützung. So konnte Ortsvorsteherin Sabine Flegel bei der Ausstellungseröffnung am 13. September vielen Menschen Dank sagen. Allen voran dem Direktor des Instituts für Geschichtliche Landeskunde, Prof. Dr. Michael Matheus, dem Projektleiter Dr. Kai-Michael Sprenger, dem Stadtarchiv mit Prof. Dobras und Herrn Simonis.

Großer Dank ist durchaus gerechtfertigt, denn das Ergebnis ist beeindruckend. Die Wanderausstellung „Gonsenheimer Erinnerungen – Jüdische Nachbarn zwischen Integration und Ausgrenzung“ erinnert erschreckend an eine furchtbare Zeit, in der Menschen in unserer Nachbarschaft aufgrund rassistischer Zuschreibungen systematisch entrechtet, vertrieben und überwiegend in Vernichtungslagern ermordet wurden. An zahlreichen Schautafeln, in drei thematische Bereiche gegliedert: Die Integration der Jüdinnen und Juden in der Gesellschaft des Kaiserreiches und der Weimarer Republik, die Zeit des Dritten Reiches, sowie die Aufarbeitung der Verbrechen und die Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit nach 1945, und an Bild- und Hörstationen kann die Geschichte eindrucksvoll verfolgt werden und es ergeben sich spannende Einblicke.

Musikalisch untermalt wurde die Eröffnung von Michael Partheil, Gitarrist, Musiklehrer und Gründer der Musikschule „Musik im Modautal“, Ober-Ramstadt. Er komponiert eigene Stücke und vertont Lyrik verschiedener Genres, darunter auch die jüdische Lyrikerin Mascha Kaléko.

Bis zum 13. Oktober kann und sollte man diese Ausstellung im Stadtteiltreff-Gonsenheim besuchen. Auch während der Herbstferien hält der Stadtteiltreff – für Besucher der Ausstellung – zu den üblichen Zeiten die Türen geöffnet. (RW)