Kalte Küche zu „Kalten Köchen"

Ein schöner Bericht über diese Lesung von Helene Braun, Lokale Zeitung

Christiane Mertins vom Stadtteiltreff hat schon mal Häppchen vorbereitet und einen alkoholfreien Sekt. Kalte Küche zur Lesung aus den „Kalten Köchen“. Als die Autoren Marion Schadek und Alexander Schrumpf bereit sind, wünscht Mertins noch ein „gruseligen Abend“. Die bereitgestellten Sitzgelegenheiten im Stadtteiltreff sind alle besetzt. Nun geht es mitten hinein in das neuste Werk der beiden, zugleich der erste gemeinsame Roman: „Kalte Köche“ – Mord im Möbelbaus heißt er.

Dass ein Mord im Mittelpunkt steht, erfährt man bereits aus dem Titel. Doch was die Autoren lesen, klingt eher kryptisch. Was den Inhalt betrifft, bleiben am Ende so einige Fragen offen. Und das Ende verraten sie natürlich schon gar nicht. Dafür erwartet das Publikum ein sprachlich ausgefeiltes Meisterstück.

Der Wiesbadener Privatdetektiv Alexander Geyer erhält eine Einladung zu einem exklusiven Kochevent mit einem Star-Koch. Als er und sein Kumpel Yücel dort eintreffen, entpuppt sich der Veranstaltungsort als unterirdisch gelegenes Küchenstudio eines großen Möbelhauses, vom Koch ist weit und breit nichts zu sehen. Und zu essen gibt´s auch nichts. Nicht genug damit, fällt der Fahrstuhl aus und es gibt keinen Handy-Empfang … Darüber hinaus scheint die Journalistin Carla jedes Wort zu notieren. Allerdings hat sie die Einladung gefälscht. Ihr Ende als „Lehrerdarstellerin“ ist so gut wie besiegelt, das „Rotstiftmilieu“ hat sie wieder ausgespuckt. Den klassischen locked room – mit einem Szenario wie in „Lafer! Lichter! Lecker!“ – haben Schadek und Schrumpf gewählt als Location. Es wird unheimlich, der Fahrstuhl fährt gefühlte fünf Minuten in die Tiefe.

Planlose Teilnehmer, eine Leiche im Kühlhaus und ein Detektiv mit seinem Kumpel und Angestellten Yücel, die den Fall lösen sollen, stehen im Mittelpunkt. Schrumpf, in der Realität ebenfalls Detektiv, weiß, wovon er redet, die Autorin, Lehrerin und Journalistin Schadek ebenso, wenn sie in Ich-Form die Journalistin Carla liest. „Es ist vieles biografisch“, erklärt Marion Schadek dem Publikum. Die Morde, die Carla begangen hat, ohne dass es äußere Folgen für sie gehabt hätte, sind es natürlich nicht. Abwechseln lesen sie in Ich-Form und die Spannung wächst. Wer ist der, den Carla so sehnsüchtig beim Kochevent zu treffen hofft? Und wer hat dem Starkoch die kalten Augen verpasst? War es der Konkurrent, der mehr als ein Motiv hat? Doch er ist nicht der einzige, dem der Tod des Kochs in den Kram passt. Die Befragung beginnt und sie ist genauso witzig wie der ganze Roman zu lesen. (Fotos: CM)