Über die Elsa kann man sicher viel berichten... "Ja mei"

Mein Praktikum in der Elsa

Nach zwei Jahren Studium in Oberfranken war das meine Antwort und Reaktion auf alles, auch auf die Elsa: „Ja mei“. Kaum von der Autobahn abgefahren hoben sich mehrere Hochhäuser aus dem kleinen Gonsenheim. Imposant und einschüchternd zugleich für ein Dorfkind wie mich.

Ich bin Susanne, 23 Jahre alt, geboren und aufgewachsen im schönen Vogtland und studiere Mediendesign im kleinen, unscheinbaren Ort Münchberg. Für mein studienbedingtes Pflichtpraktikum, 400 Kilometer von der Heimat entfernt, ist die Elsa (-Brändström-Straße) mein Zuhause auf Zeit geworden. Seit drei Monaten wohne ich nun hier und fühle mich von Tag zu Tag wohler. Ich mag die geometrische Strenge der Architektur, die Atmosphäre, die vielen verschiedenen Lichter nachts und die perfekte Mischung aus Anonymität und Gemeinschaft. Wenn ich aber Freunden und Familie von meinem Wohnviertel erzähle, ernte ich erst mal skeptische Blicke. Die Vorurteile gegenüber Großwohnsiedlungen sind stark. Von „Mensch, traust du dich da denn eigentlich abends noch raus?", bis „Na, aber ein Glück, es ist nur für das halbe Jahr, gell?" war alles dabei. Und das hat mich unglaublich geärgert.

Ich fühle mich in der Elsa sehr wohl, nahezu jeder Mensch, dem ich bisher hier begegnet bin, war unheimlich nett und freundlich (den einen komischen Nachbarn hat man überall...). Und darum stand für mich fest, dass ich etwas gegen diese vorgeprägte Meinung zu Hochhaussiedlungen tun möchte. Zwar bin ich keine einflussreiche Person, aber ich kann etwas tun, das ich relativ gut beherrsche, und das ist das Schreiben. Ich möchte dem Plattenbau eine Plattform geben. Ich möchte die Elsa vorstellen, möchte Klischees und Vorurteile lockern. Und das mit dem mir liebsten Medium - einem Buch, das auf eine moderne und offene Weise mit dem Thema der Großwohnsiedlungen und den Menschen die sie prägen und prägt umgeht.

Und genau so, wie ich als angehende Gestalterin zufällig in der Elsa gelandet bin, kommt eine weitere tolle Gelegenheit ins Spiel: die Elsa-Zeitung feiert dieses Jahr Jubiläum. Das erzählte mir das Team im Stadtteiltreff, an das ich mich aus meiner Recherchesackgasse heraus wendete. Ich bekam hier so unglaublich viele gute Tipps, Kontakte und weitere Ideen, dass es nun förmlich nach einer Umsetzung schreit. Mein kleines Projekt ist also, wie man so schön sagt, die passende Idee zum passenden Zeitpunkt für alle Freunde der Elsa und alle, die es noch werden wollen. Ich möchte mit zahlreichen Menschen aus der Elsa ins Gespräch kommen und nach möglichst vielen Geschichten suchen. Darum freue ich mich auf jeden, der sich bereit erklärt mir von seiner Zeit, seinem Erlebten in der Elsa zu erzählen. Schreiben Sie mir davon an susannepoetzsch(at)gmx.de oder gehen Sie auf das tolle Gonsenheimer Stadtteiltreff- oder Redaktionsteam der Elsa-Zeitung zu. Dann finden wir auf jeden Fall einen Weg um in Kontakt zu kommen. Ich freue mich sehr auf alles, was da an Geschichten hinter den vielen Balkonen der Elsa schlummert. Bis dahin adé. (Susanne Pötzsch)