Leben im Betonklotz - Die Suche nach etwas Glück

SWR-Filmabend im Stadtteiltreff

Im Oktober des vergangenen Jahres war die Journalistin Kira Rutkowski mit einem Filmteam drei Wochen lang im Stadtteiltreff und in der Elsa anzutreffen, um eine Dokumentation über unser Wohngebiet zu drehen. (Wir berichteten darüber.) Nun war es endlich soweit, der Film war fertig und sollte in der SWR-Reportagereihe „betrifft“ gezeigt werden. Dazu hatten sich am Mittwoch, 22. Januar, viele Interessierte im Café des Stadtteiltreffs eingefunden. Auch Kira, ihr Team und sogar die leitende SWR-Redakteurin, Martina Treuter und der „betrifft“-Redaktionsleiter, Hans-Michael Kassel, waren gekommen. In der Landesschau gab es vorher noch ein Live-Interview mit der hauptamtlichen Mitarbeiterin Colette Smeraldy. Sie berichtete über ihre Arbeit im Stadtteiltreff und erzählte, womit sie und die anderen Mitarbeiter*innen täglich konfrontiert werden. Nach der Elsa befragt, sagte sie, dass es auf gar keinen Fall mehr ein sogen. sozialer Brennpunkt sei, wie es früher immer mal hieß. „Es hat sich dort vieles verändert in den letzten Jahren. Es ist ruhiger und konfliktfreier geworden, was auch die Polizei bestätigt“, so Smeraldy. Dann ging es endlich mit dem Film über die Elsa los. Die Arbeit des Stadtteiltreffs wurde recht lobenswert erwähnt und einige Menschen, die dort verkehren oder Hilfe suchen und sich beraten lassen, wurden vorgestellt. Und natürlich waren auch die drei Hausmeister der Häuser 4 bis 10 bei ihrer nicht immer leichten Arbeit zu sehen. Sie erzählten, um was sie sich den ganzen Tag kümmern müssen und berichteten von einigen unschönen Vorkommnissen, wie der, von einem Mieter eingetretenen Glastür und einem Rohrbruch. Trotz des nicht so gelungenen Filmtitels „Leben im Betonklotz“ hatten eigentlich alle die Hoffnung gehabt, dass dieser Film das Image der Elsa etwas „aufpolieren“ würde. Doch vergeblich wartete man auf eine Berichterstattung, die zeigt, dass es hier auch Leute gibt, die sogar in einem dieser Betonklötze eine Eigentumswohnung besitzen in der sie „freiwillig“ wohnen, die täglich zur Arbeit gehen und ihre Familie gut versorgen – und dabei sogar glücklich sind.

Bei der anschließenden Diskussion gab es dann auch verschiedene Meinungen dazu. Für viele behielt die Elsa durch diese Dokumentation leider den Touch eines sozialen Brennpunktes. Sie haben den Film verpasst? Dann schauen Sie ihn sich in der SWR-Mediathek an und bilden sich Ihre eigene Meinung. (CM)

Hier einige Meinungen zu dem Film

Ich finde…

… dass der Film gar nicht so schlecht war. Nach dem ersten eher negativen Eindruck vom Mittwoch habe ich mir zwei Tage später in Ruhe noch mal angesehen, erst die Aufnahme, dann im Fernsehen, auf Tagesschau 24 wurde er wiederholt. Und mit mehr Abstand kann ich ihn auch positiver sehen.

Kiras Plan war, anhand von 4-6 Strängen, Menschen zu zeigen, die für sich nach Glück suchen und dabei den Stadtteiltreff zu zeigen als Ort und Idee, wo viele Geschichten zusammenlaufen. Ich hatte erst auch mehr von unserer Botschaft und Erklärung unserer Strukturen und Antworten auf die Frage, was gute Nachbarschaft ausmacht, erhofft, aber Kira wollte das durch Bilder und nicht durch Interviews vermitteln. Nach vielen sehr positiven Rückmeldungen, meist allerdings von Leuten von außerhalb, habe ich meinen ersten Eindruck etwas revidiert. Viele Aussagen sind toll (sogar vom Gangster-Rapper), alle sind positiv unterwegs, der Stadtteiltreff kommt als ganz warmer Ort voller Solidarität rüber, ergänzt durch warme und schöne Hochhausbilder. Ich finde, für einen ersten Film einer jungen Redakteurin ein gutes Werk.

(Stephan Hesping)

 

Ich finde…

den Film authentisch, ehrlich und witzig. Es ist gerade mal eine dreiviertel Stunde Film, und man kann erahnen, wie facettenreich es in der Elsa zugeht. Denn das waren nur einige wenige, von tausenden unterschiedlichster Geschichten, die das Leben in der Elsa so bunt machen.

(Oliver A. Wrobbel)

 

Ich finde...

dass die Reihenfolge der Szenen in der Dokumentation nicht genügend bedacht wurden.

Das anfängliche Bild der Elsa-Brändström-Straße, die sich entgegen ihres früheren Rufes als "Brennpunktviertel" positiv weiterentwickelt hat, wurde meiner Meinung nach durch den Schluss und das Fehlen weiterer neutraler Beispiele wieder stark abgeschwächt. Negativ besetzte Szenen am Ende einer Dokumentation, die ein gegenwärtig gutes Bild vermitteln soll, bleiben eher im Gedächtnis hängen und können einen entgegengesetzten Effekt auslösen. (SG)

 

Ich finde...

der Film polarisiert! Und sowohl den Titel als auch die Anfangsszene empfand ich persönlich als ausgesprochen ungeschickt ausgewählt, der Zuschauer wurde hier quasi schon an eine bestimmte Betrachtungsweise herangeführt. Es gab vor einigen Jahren schon einmal einen Bericht über die “Elsa” mit dem Titel “Unsere ELSA” - wie positiv und geradezu freundlich klingt doch dieser im Vergleich zu “Leben im Betonklotz” ! (UB)