Impfung gegen Corona – Ja oder Nein?

Dazu ein ganz klares JA ZUR IMPFUNG !

Ich heiße Dorothee Maria Kieninger, bin Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Oberärztin in der Mainzer Kinderklinik und arbeite mit in einer Kinderarztpraxis. „Nebenbei“ bin ich die Frau von Diakon Klaus Baum, den viele bestimmt aus seiner Zeit in Gonsenheim und aus dem Stadtteiltreff kennen. Ich war viele Jahre an der mit der Entwicklung und Einführung von neuen Impfstoffen beteiligt und zuständig für die Impfsprechstunde in der Kinderklinik. Seit Januar habe ich in der Klinik, in der Praxis, aber auch gemeinsam mit ehrenamtlichen Impfteams in Moscheen, in der Geflüchtetenhilfe und in Schulen viele, viele Menschen aller Altersgruppen gegen das Coronavirus geimpft. Lassen Sie mich daher etwas genauer erklären, warum ich Ihnen die Coronaimpfung sehr ans Herz legen möchte.

Coronaimpfung rettet Leben!

Neben sauberem Trinkwasser sind Impfungen die Maßnahmen, die auf der ganzen Welt am meisten dazu beigetragen haben, dass schwere Krankheiten und Tod zurückgingen. Dazu ein Beispiel aus meinem Berufsleben: Ich kann mich noch gut daran erinnern, als vor etwa 30 Jahren ein damals „neuer“ Impfstoff gegen das Bakterium „HIB“ eingeführt wurde. Meine Kollegen und ich hatten zuvor mehrfach miterleben müssen, wie Kinder urplötzlich ganz dramatisch an dieser Erkrankung starben oder ihre Ärmchen und Beinchen verloren haben. Wie glücklich waren wir Kinderärzte, als es endlich einen Impfstoff gegen „HIB“ gab und diese Erkrankung seither fast verschwunden ist. Auch damals war der Impfstoff neu. Wir Kinderärzte/innen haben ihn mit Freude sofort eingesetzt, denn wir wussten: Dem Impfstoff ging eine jahrelange Entwicklung voraus. Die Impfung konnte Leben retten und unermessliches Leid verhindern. Heute werden schon die Babies ganz selbstverständlich gegen „HIB“ geimpft und vertragen den Impfstoff sehr gut.

So ist es auch mit der Coronaimpfung: Todesfälle und schwere Krankheitsverläufe sind dank der Coronaimpfung drastisch gesunken, Tod, Leid und schwere Krankheit konnten millionenfach vermieden werden.

Coronaimpfung schützt mich!

In meinem familiären Umfeld habe ich hautnah erlebt, wie ein junger Mensch, bis dahin kerngesund, schwer an Corona erkrankte, angesteckt durch Menschen, denen sie half und die die Infektion verheimlichten. Plötzlich habe ich nicht mehr nur als Ärztin, sondern hautnah als Angehörige die Sorge und die Angst miterleben müssen, wie schlimm und lebensbedrohlich plötzlich diese Erkrankung wurde. Es war schlimm am Telefon gesagt zu bekommen, dass man nicht weiß, ob man lebend wieder aus der Klinik kommt und wie furchtbar das Gefühl ist, zu ersticken. Lungen- und Herzmuskelentzündung, wochenlanger Krankenhausaufenthalt, ein massiver Verlust der Leistungsfähigkeit noch Monate später, ganz abgesehen von der furchtbaren Angst der Angehörigen. Keine Impfung kann zu 100% eine Erkrankung verhindern, aber MIT einer Impfung verläuft sie auf jeden Fall schwächer und weniger dramatatisch als eine Erkankung ohne Impfschutz.

Mir macht eine Covidinfektion nichts, warum dann trotzdem impfen?

Bei fast allen Impfungen gilt: Nur wenn sich möglichst alle Menschen impfen lassen können die 10-15% der Menschen geschützt werden, bei denen eine Impfung nicht möglich oder nicht wirksam ist. Ich denke zum Beispiel an unsere kleinen Patienten auf der Krebsstation: Sie sind dem Virus unter Umständen schutzlos ausgeliefert. Ich denke an die Kinder, für die es noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Und ich denke an deren Eltern, die sich verzweifelt wünschen, dass andere Menschn so vernünftig sind und mithelfen, das Virus n der Gesellschaft einzudämmen. Ich finde, wir Erwachsenen haben die Verpflichtung, mit einer Impfung nicht nur uns, sondern auch diese Gruppe mit zu schützen. Und: jede/r von uns kann morgen selber schwer erkranken. Dann hoffen wir doch auch, dass unsere Mitmenschen vernünftig sind und uns auf diese Weise be – schützen.

Coronaimpfungen - aber sicher!

Schon vor Jahren, als ich an der Klinik an der Einführung von neuen Impfstoffen mit geforscht habe, waren die Kontrollen vor und nach der Einführung der Impfstoffe durch die deutschen und europäischen Behörden extrem streng. Das war schon lange vor Corona so.

Inzwischen ist wohl kein Impfstoff weltweit so gut überwacht und kontrolliert wie die Coronaimpfstoffe und man kann somit durchaus sagen, dass die in Deutschland verwendeten Impfstoffe gut verträglich und sehr sicher sind.

Übrigens sind die Coronaimpfstoffe vom Aufbau her gar nicht so neu. Seit Jahren wurde an der Wirkweise geforscht und wir Impfexperten wussten schon lange, dass solche Impfstoffe in der Entwicklung waren. NEU ist der Einsatz speziell als Impfstoff gegen Coronaviren. Das war unser großes Glück, denn sonst hätten wir heute noch lange keine Coronaimpfstoffe.

Was das bedeutet hätte, mag sich sicher niemand vorstellen.

(Keine) Nebenwirkungen

Natürlich können Coronaimpfstoffe – wie jedes Medikament oder wie jeder Impfstoff – Nebenwirkungen verursachen. „Keine Wirkung ohne Nebenwirkung“ – so sagte mein früherer Professor und Experte für Impfstoffentwicklung immer und brachte zudem das Beispiel einer Tafel Trauben-Nuss-Schokolade. Wenn man eine Tafel Trauben-Nuss-Schokolade isst, ist das Risiko zum Beispiel für eine schwere Allergie deutlich höher als bei einer (Corona-) Impfung. Was wollte mein Kollege damit sagen?

Natürlich besteht bei allem im Leben, was wir zu uns nehmen, ein kleines Restrisiko für Nebenwirkungen, von denen man vorher nichts wusste. So kann das auch bei Impfungen sein.

Bei den Coronaimpfungen kennen wir aber die Impf- Reaktionen oder Nebenwirkungen inzwischen sehr gut. Diese Liste, die regelmäßig aktualisiert wird, wenn Ärzte oder Geimpfte eine Reaktion melden, können auch Sie nachlesen und sich darüber informieren.

Wichtig ist, dass Sie den Unterschied kennen zwischen einer Impfreaktion und einer Nebenwirkung durch die Impfung. Eine Impfreaktion ist vollkommen normal und ist wie ein Beweis, dass Ihr Immunsystem auf die Impfung anspricht: zum Beispiel durch Müdigkeit, Fieber, Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen. Das geht in aller Regel nach ein paar Tagen wieder vorbei, schonen Sie sich einfach in dieser Zeit, bleiben Sie eventuell einen oder zwei Tage daheim oder wenn Sie arbeiten müssen, lassen Sie sich vor dem Wochenende oder einem freien Tag impfen.

Und ja, es gibt selten auch Nebenwirkungen durch die Coronaimpfung wie zum Beispiel eine Hirnblutung oder Herzmuskelentzündung. Schwere Nebenwirkungen lassen sich fast immer vermeiden oder wenn sie – was sehr selten vorkommt – behandeln. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt beraten Sie vorher gerne und sucht den für Sie am besten passenden Impfstoff aus.

Jedenfalls ist das Risiko, durch die Corona-Erkrankung z.B. eine Herzmuskelentzündung zu bekommen, viel höher als durch eine Impfung. Nur: bei einer Impfung rechnen Sie mit einer solchen Möglichkeit, selbst wenn Sie extrem selten ist und nur bei bestimmten Risikogruppen auftritt und können bereits durch Ihr Verhalten diese Entzündung vermeiden. Bei einer Coronaerkrankung können Sie das nicht.

Noch abwarten – worauf??

Immer sagen mir Menschen, sie wären noch unsicher, denn sie wüssten ja nichts über Langzeitwirkungen nach einer Coronaimpfung.

Klar, das weiß keiner. Jede neue Entwicklung kann birgt ein Risiko, auch wenn wir aus wissenschaftlicher Sicht Langzeitfolgen durch die Impfung für wenig wahrscheinlich halten.

Was wir aber sicher wissen: Durch eine Coronainfektion gibt es schwere Kurzzeit- UND Langzeitschäden. Das kann ich durch eine Impfung vermeiden.

Worauf wollen wir also noch warten? In den Griff werden wir die Pandemie NUR DANN bekommen, wenn sich möglichst alle, die es können, sich impfen lassen.

Nicht die Impfung, sondern die Pandemie schadet uns

Nur wenn wir uns alle impfen lassen, haben wir eine Chance, unser normales Leben zurückzubekommen, ohne dass wir Jahre darauf warten müssen. Als Kinder- und Jugendärztin denke ich dabei noch einmal vor allem an unsere Kinder und Jugendlichen. Sie mussten und müssen sehr unter der Pandemie leiden, viele sind seelisch krank geworden oder haben den Anschluss in der Schule verpasst. Jede/r, der sich impfen lässt, hilft nicht nur sich selbst, sondern hilft insbesondere unseren Kindern und Jugendlichen.

Bitte denken Sie auch an das pflegerische Personal in den Kliniken. Jede/r von uns kann morgen auf aus unterschiedlichen Gründen ins Krankenhaus kommen und wünschen uns Pflegekräfte, die nicht überarbeitet, überanstrengt und müde geworden sind, weil sie immer noch Patienten behandeln müssen, die ihre Erkrankung hätten vermeiden können.

Daher: Gehen Sie mit Ihren Fragen und Unsicherheiten zu den Impfteams oder zu Ihren Hausärzten. Lassen Sie sich beraten. Und dann: Trauen Sie sich und lassen Sie sich impfen!