10. Aug. 2023 | Alle, Kultur
Fiete Koch: Was wird denn da gebaut?
Die Buchhandlung Nimmerland empfiehlt das Bilderbuch
Auf der Breite Straße wird gebaut, beziehungsweise die Straßenbahnschienen müssen erneuert, die Fahrbahndecke komplett ausgetauscht werden. Was für uns Erwachsene durchaus ein Ärgernis sein kann, weil es nicht ganz einfach ist, von A nach B zu gelangen, ist für viele kleine Menschen ein Paradies: Riesige Baumaschinen, Bagger, die unter höllischem Lärm die Straßendecke aufreißen, Presslufthämmer – Gibt es Spannenderes? Für viele Kinder sind Ausflüge zur Baustelle unfassbar spannend, und genau für diese Kinder gibt es dieses Buch, das mit großem Spaß erklärt, womit, was, wie gebaut wird, aber dabei schön verrückt und lustig ist:
Wimmelige, großformatige Doppelseiten? Das gibt es ja häufiger. Hier ist aber wirklich ganz schön was los! Nach den beiden Einführungsseiten, auf denen noch schön übersichtlich Baugeräte, Werkzeuge und Arbeitsmittel gezeigt und benannt werden, folgen jeweils links diverse Baustellen auf dem Höhepunkt ihrer Arbeit und rechts das fertiggestellte Bauwerk. Und beides ist ganz schön wimmelig, bestückt mit beschreibenden Geräuschen (die das gemeinsame Betrachten mit dem Kind auch für weniger fantasiebegabte Erwachsene vereinfachen) und wahnsinnig vielen Einzelsituationen, die man erst nach und nach erfassen kann. Das ist durchaus anspruchsvoll und meiner Meinung nach zu viel für Zweijährige, die der Verlag anvisiert. Ab drei Jahren aber ein nicht immer ganz ernst gemeinter, ganz, ganz großer Spaß! Der Autor und Illustrator Fiete Koch, 1979 in Hamburg geboren, hat schon als Kind gezeichnet. Nach dem Zivildienst hat er zunächst eine Ausbildung als Koch absolviert und in der Trickfilmproduktion gearbeitet, um dann Kommunikationsdesign in Hamburg zu studieren. Seit 2010 arbeitet er mit viel Freude und Ideen als freiberuflicher Illustrator, so auch an diesem wunderbaren Buch.
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Fiete Koch: Was wird denn da gebaut?
Illustration: Koch, Fiete.
Rowohlt, 2023. 16 S. ISBN: 978-3-499-01178-8. € 12,00
Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit
Ein Buchtipp von Stephan Hesping
Haben Sie mal Lust auf ein etwas anspruchsvolleres Buch? Einen richtig dicken Schinken mit über 500 Seiten für lange Sommertage und -nächte? Dann kann ich Ihnen den Titel des aus Haifa stammenden Autors Harari, Professor in Jerusalem mit dem Schwerpunkt Universalgeschichte, wärmstens empfehlen. Das Buch beschäftigt sich mit der Entwicklung der Menschheit, des Homo Sapiens. Ist er die Krone der Schöpfung oder eher ein Schrecken für unser Ökosystemen? Die Geschichte des Menschen beginnt vor 70.000 Jahren. Das Buch beschreibt, wie und warum sich die Gattung Homo Sapiens gegenüber anderen Menschenarten durchgesetzt hat und wie sie sich nach und nach über den ganzen Erdball verbreitet hat. Den Übergang vom Jäger und Sammler zur bäuerlichen Landwirtschaft und der Frage, was eigentlich besser war. Den Einzug des Geldes, der Religionen und Weltanschauungen, der Wissenschaft, die Entstehung von Kulturen, imperialer Politik und Kapitalismus. Ja, der Blick ist umfassend und nach 300 Seiten muss man schon ein bisschen Kondition aufbringen, aber es lohnt.
Das Buch macht deutlich, dass die Zeit, in der wir heute leben, nur ein Wimpernschlag der Geschichte ist, auch der Menschheitsgeschichte, die wiederum ein Wimpernschlag in der Erdgeschichte ist. Es beschreibt, wie wir wurden, was wir sind, mit einem kritischen Blick auf die Entwicklung der Menschheit bis in die heutige Zeit, ohne dabei moralisch zu sein. In der Jetztzeit angekommen zeigt Harari unsere Möglichkeiten als Menschheit auf, unsere Probleme in den Griff zu bekommen und gesellschaftliche Probleme und Fehlentwicklungen zu lösen. Kein Lamentieren, wie schlimm alles ist, sondern gute Ideen, wie es mit uns und der Erde weitergehen könnte. Der aufmerksame Leser erkennt viele Zusammenhänge und Entwicklungen, die der Universalgelehrte kenntnisreich zu einem lesenswerten Werk zusammengefügt hat.
(Hes)
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Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit
Sachbuch, 2015, Paperback, 528 S., ISBN: 978-3-570-55269-8, € 16,00
3. Aug. 2023 | Alle
Kommentar zu einem Gespräch mit Erzbischof Georg Gänswein in Wiesbaden
Er war einer Einladung des Presseclubs und der Casinogesellschaft in Wiesbaden gefolgt und machte während des Interviews aus seinem Herzen keine Mördergrube: Erzbischof Georg Gänswein, langjähriger Sekretär von Papst Benedikt XVI. (Die Verlagsgruppe Rhein-Main – Allgemeine Zeitung – berichtete am 19. Mai darüber.)
So mag es auch erlaubt sein, dass ich als einfacher Mitarbeiter im Bistum Mainz anderen Interessierten meine Meinung zu seinen Ausführungen kundtue. Zu Gänsweins Einlassungen zum Thema „Synodaler Weg“ in Deutschland, Zulassung von Frauen zum Weiheamt, Zölibatsverpflichtung für Priester u.a. fällt mir ein Text des früheren Frankfurter Pfarrers Lothar Zenetti (*1926 – † 2019) ein:
„Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Kirche.
Sie werden antworten: Die Messe.
Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Messe.
Sie werden antworten: Die Wandlung.
Sag hundert Katholiken, dass das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist.
Und sie werden empört sein und sagen: Nein, alles soll so bleiben, wie es ist!“
Unser ganzes Leben – und damit auch das Leben unserer Kirche(n) – ist dem Wandel unterworfen. Es braucht Klärung – ja: auch Auseinandersetzung und (wenn es sein muss!) aufklärenden Streit. Die römisch-katholische Kirche – so wie sie sich heute darstellt (mit allen dunklen und abschreckenden Seiten, aber auch mit vielen nach wie vor gutwilligen und engagierten Mitchristen) ist nicht vom Himmel gefallen. Sie hat sich durch viele Jahrhunderte entwickelt, und sie wird sich weiter entwickeln.
Das „Bild von Kirche“ sieht in Afrika, Lateinamerika und Asien ganz anders aus als in Deutschland, Österreich, Schweiz. Und das ist gut so! Nicht zuletzt das II. Vatikanische Konzil hat zu diesen vielfältigen, unterschiedlichen Entwicklungen wichtige Impulse beigetragen.
Wenn sich ein Erzbischof Gänswein und andere geistliche Würdenträger in Rom anmaßen, den Dialogprozess in unserer deutschen Kirche zu verurteilen und bestimmte Anliegen mit „einer roten Karte“ zu versehen, zeugt das von einer maßlosen Selbstüberschätzung, weil sie Denkverbote erteilen und Diskussionen, die angeblich „den gesamten Glauben infrage stellen“, unterbinden wollen.
Solche Kirchenvertreter scheinen von allen guten Geistern verlassen zu sein; denn DER weht doch bekanntlich, wo er will, und lässt sich auch nicht von römischen Würdenträgern einsperren.
Wenn man aktuellen Berichten glauben kann, wird Gänsweins Weg ihn zukünftig zurück in sein Heimatbistum Freiburg führen. Noch weiß er allerdings nicht, welche konkreten Aufgaben auf ihn warten.
Es gäbe durchaus die Möglichkeit – so würde es Papst Franziskus formulieren – auch einen seelsorglichen Dienst an den „Rändern unserer Welt“ zu verrichten: z.B. in Kalkutta (Indien) oder in den vielen Slumgebieten unserer Erde – mitten unter den Ärmsten der Armen! Vielleicht würde es dem Heiligen Geist gelingen, ihn dort zu berühren und für das Leben, die Sorgen und Nöte der Menschen zu öffnen. Ich fürchte nur, sogar dem Wirken des Heiligen Geistes sind leider manchmal menschliche Grenzen gesetzt.
Hans-Peter Weindorf, Pfr.i.R., Saulheim
(der Autor war von 2006 bis 2021 Pfarrer in Mainz-Gonsenheim, St. Stephan, anschl. Pfarrvikar in der Mainzer Oberstadt)
27. Juli 2023 | Alle
Lesen: Unser Schwerpunktthema in der aktuellen ELSA
Sommer und Sonne – endlich ein paar freie Tage, das haben wir uns nach dem ganzen Corona-Mist auch verdient. Und viele von euch werden diese schönen Sommertage mit einem Buch verbringen, ob zu Hause im Garten, im Schwimmbad, am Baggersee, ganz egal, wir lassen uns heute die Sonne auf den Bauch brennen und tauchen ein in eine Welt, die uns verzaubert. Nur Bücher können uns in eine Welt entführen, von der wir sonst nur träumen können. Lesen ist mehr als bloßer Zeitvertreib. Lesen ist Kultur. Lesen ist wichtig für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Lesen ist Macht. – Grund genug für ein Schwerpunktthema in der aktuellen Ausgabe der ELSA.
Mainz ist bekanntlich eine Medienstadt, nicht nur, weil Gutenberg hier lebte und wirkte. In der Stadt gibt es mit dem ZDF und SWR zwei große Fernsehsender und einige Film- und Fernsehproduktionsfirmen, hier liegt der Ursprung von SAT.1 und bei der Firma BFE in Gonsenheim wurde der erste HD-fähige Übertragungswagen gebaut. Mainz ist auch eine Verlagsstadt. Neben einer großen Tageszeitungsgruppe gibt es eine Reihe von Spezialverlagen, wie z.B. den Verlag Hermann Schmidt für hochwertige Bücher, vor allem für den grafischen Bereich oder die Vereinten Fachverlage mit einem großen Angebot an sehr spezialisierten Fachzeitschriften.
Leider sind in den letzten Jahren immer mehr Buchhandlungen verschwunden, ein bundesweiter Trend. Wir als Gonsenheimer*innen können uns da glücklich schätzen, eine Ausnahme zu sein (siehe ELSA 05/23) und in der aktuellen Ausgabe Seite 9.
Lesen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturgeschichte (siehe Seite 6), und große Literaten und Philosophen haben im deutschsprachigen Raum ihre Spuren hinterlassen, wir sind gut beraten, diese auch zu nutzen. Lesen fördert nachweislich nicht nur das Denkvermögen und die Konzentrationsfähigkeit. Wer viel liest, entwickelt mit der Zeit einen größeren aktiven und passiven Wortschatz und kann längere und komplexe Sachverhalte besser erfassen.
Wir Erwachsenen sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn Kinder sehen, dass wir mit Freude lesen, und damit sind nicht Twitter-Nachrichten gemeint, sondern ein gutes (und am besten gedrucktes) Buch, dann ist die Chance groß, dass die Kinder es nachahmen, und das ist unbedingt notwendig. Professoren an deutschen Universitäten beklagen seit geraumer Zeit die mangelnde Lesekompetenz der neuen Studentengeneration.
Beim Ärztetag in Essen hat die NRW-Bildungsministerin Feller berichtet, dass in ihrem Land nur noch maximal 40 Prozent der Eltern ihren Kindern vorlesen. Und das wirkt sich auch auf Bildungs- und somit auch Gesundheitskompetenz aus.
Leider gibt es einen Trend, nicht besonders komplexe Sachverhalte noch weiter zu reduzieren, weil die Aufmerksamkeit für mehr nicht mehr ausreicht. Und die kommende „Künstliche Intelligenz“ (KI) wird diesen Trend beschleunigen. Dagegen hilft Lesen, Bücher entführen uns in neue und alte Länder, lassen uns über Kontinente fliegen und in Phantasiewelten und fremde Sterne eintauchen.
(TB)
21. Juli 2023 | Alle
Dazu hatten wir schon mehrfach berichtet (z.B. hier im Februar 2023).

Nun gibt es einen passenden Clip dazu:
20. Juli 2023 | Alle, Aktuelles, Angebote, Gonsenheim
Ein neues Bildungsangebot in Kooperation mit der Volkshochschule Mainz
Seit Juni des Jahres weht dienstags und donnerstags vor dem Stadtteiltreff eine große Fahne mit der Aufschrift „Lesen und Schreiben lernen“. Jeweils von 11 bis 13 Uhr sind alle Menschen, die nicht oder nicht ausreichend lesen und schreiben können, herzlich eingeladen, an diesem niedrigschwelligen Angebote teilzunehmen. Man muss sich nicht anmelden, es entstehen keine Kosten und man muss auch nicht regelmäßig teilnehmen. Die Lernenden kommen, wenn Sie Lust und Zeit haben, und lernen in einer offenen und schönen Kaffeeatmosphäre.
Gedacht ist das Angebot insbesondere für Menschen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, eine deutsche Schule besucht haben, aber dennoch nicht beziehungsweise nicht ausreichend lesen und schreiben gelernt haben. Auch Menschen mit Migrationshintergrund sind herzlich eingeladen, bei dem Angebot mitzumachen. Insbesondere Menschen, die vor 2015 nach Deutschland kamen und denen der deutsche Staat in dieser Zeit noch keine ausreichenden Sprachkurs-Angebote gemacht hat, können profitieren.
Bereits beim ersten Treffen kamen zwei Menschen, die sich für das Angebot interessierten. Schon zwei Tage später saßen drei Menschen in noch kleinem Kreis in unserem Café und lernten. Arbeits- und Lernformen werden ganz individuell den Bedürfnissen der Lernenden angepasst. Auf einer großen Multimediawand kann geschrieben werden, können online Lernplattformen verwendet werden, können die Smartphones der Teilnehmenden gestreamt werden, um ganz praktische und lebensnahe Hilfen zu geben. Neben Sprachlehrer*innen der VHS sind auch Berater*innen des Stadtteiltreffs an dem Angebot beteiligt. Probleme, die das Lernen behindern könnten, können hier direkt vor Ort bearbeitet werden.
(hes)